Zum Film | Wenn man vor einem Haufen Erde steht,
die man bereits umgeworfen hat, ohne etwas darin zu entdecken, geht
man nicht von einem Fund aus. Aber es versteckt sich doch so einiges
im Erdreich des Torturmschachtes von Schloss Lütetsburg!
Nach bester Archäologen-Manier siebten
wir das komplette Erdreich durch und fanden darin allerlei Artefakte
der vergangenen Jahrhunderte. Und sogar die ein oder andere
„Sensation“ verbarg sich in der feuchten Erde ...
Zum Film | Endlich war es soweit, beim
derzeit realisierbaren Projekt auf Schloss Lütetsburg wurde wieder
die Schaufel in die Hand genommen. Im Uhrenschacht unter dem
Eingangstor der Vorburg könnten jahrhunderte alte Schätze im Schutt
verborgen liegen - da der enge und tiefe Schacht mehr aufnehmen als
preisgeben kann. Und genau so war es auch: Der Schacht war so schmal,
das ein ausgewachsener Mann unter Umständen nicht einmal dessen
Grund erreicht. Doch wir ließen uns nicht beirren und räumten ihn
bis auf die Grundsteine leer. Haben wir etwas entdeckt?
Zum Film | Im nordischen Raum längst vergessener
Germanenstämme liegen gewaltige Steine verstreut. Lang vor den
heidnischen Völkern sollen unsere Vorfahren niedrige Steinhäuser
(mit Geschick und nicht erklärbaren Kräften) in die schroffe
Landschaft gesetzt haben, ohne dass es bis heute eine belegbare
Erklärung für sie gibt. Riesen sollen sie gewesen sein, die ihres
Gleichen unter den Steinen begruben. Doch man fand keine Knochen.
Kein Skelett. Keine Belege für ein Grab. Und doch nennt man sie
Hünen- oder Großsteingräber.
Sie sind das Stonehenge Deutschlands.
Eines der großen Rätsel mitteleuropäischer Frühgeschichte, die
verzweifelte Forscher zu unbedachten Aussagen treiben - sie seien
„Grenzsteine oder rituelle Bauten“. Immer dann, wenn ein
Archäologe nicht weiter weiß, wird ihm unwiderlegbar klar: „Es
handelt sich um ein Monument für göttliche Rituale.“
Die meisten Anlagen sollen zwischen
3500 und 2800 v. Chr. entstanden sein - in einem wahren Bauwahn, so
vermuten Wissenschaftler. 900 solcher Anlagen sind heute noch in
Deutschland bekannt und doch soll es nur noch ein Bruchteil dessen
sein, was damals erbaut wurde. Viele Anlagen wurden später zu
Kirchen und weitere fielen dem Industriezeitalter zum Opfer. Statt es
zu erforschen und zu bewahren, verfremdete und zerstörte man eines
der größten Rätsel der Jungsteinzeit.
Hier an der Straße der Megalithkultur,
die sich 330 Kilometer durch das westliche Niedersachsen windet,
finden sich allein zwischen Osnabrück und Oldenburg 70 solcher
Dolmen oder auch Langgräber genannt. Diese Großdolmen stehen
möglicherweise in direkter Verbindung zum englischen Stonehenge, von
dem aktuell bekannt wurde, das die Anlage ursprünglich um ein
Vielfaches größer war als gedacht. Die bekannte Ringanlage sticht
wie ein Kirchturm aus einer Stadt, die verborgen unter meterdicken
Erdmassen liegt.
Die Datierung solcher Anlagen scheint
der Wissenschaft schwer zu fallen, da sich mehr und mehr
herausstellt, dass man bei der zeitlichen Einschätzung solch früher
Bauwerke völlig falsch lag. Sie sollen Tausende Jahre älter sein
und zeigen oft Fertigungsspuren, die als „unmöglich“ eingestuft
und dann möglichst schnell verdrängt werden.
Wenn die Hünengräber, wie sie im
Volksmund genannt werden, der Überlieferung nach von Riesen erbaut
wurden, diese sie aber nicht als Grabstätten nutzten, welchen Zweck
erfüllten sie dann, wenn kein ausgewachsener Mensch unter den
niedrigen Steindächern verweilen könnte? Welche Volksgruppe wurde
damals als „Riesen“ bezeichnet und was hinterließen sie uns
sonst noch? Fragen über Fragen, die mir beim Anblick dieser Steine
keine Ruhe lassen. Wer waren die Erbauer der Megalithkultur und wann
lebten sie wirklich? Welchen Zweck erfüllten Ihre gewaltigen
Hinterlassenschaften, die wie die Pyramiden spielend Jahrtausende
Überdauern?
Zum Film | Da wir davon ausgehen, dass die
Kelleranlage hinter der zugemauerten Türe der Vorburg des
Lütetsburger Schlosses größer ist, als bisher gedacht,
entschlossen wir uns zu einem Gespräch mit der ostfriesischen
Landschaft, die sich professionell an der Grabung beteiligen könnte.
Parallel eröffnen wir die Möglichkeit einer weiteren Grabung im
Schlosspark. Hier wurde unter dem Manninga-Berg im Zweiten Weltkrieg
ein Bunker angelegt, der mittlerweile verschüttet ist. Niemand der
noch lebt, hat diesen Bunker je betreten oder weiß welche Geheimnisse er verbirgt. Allein der ungefähre Standpunkt
des ehemaligen Eingangs ist bekannt.
Zum Film | Zur Fotogalerie | Er ist allen Ostfriesen bekannt – der Tortum des Lütetsburger Schlosses der Grafen zu Inn- und Knyphausen. Imposant sticht er aus der Vorburg hervor und wacht über die Einfahrt in die von Burggräben umgebene Schlossanlage. Und obwohl jeder Besucher diesen Turm kennt, hat noch keiner von ihnen einen Fuß in sein Innerstes gesetzt. Was verbirgt sich in dem alten Gemäuer?
Beim Betreten der unscheinbaren Türe des Turms verlässt man die hektische Zeit der Moderne. Eine steile, von dickem Staub eingedeckte Treppe führt über einen kleinen Flur in die erste Etage. Man muss sich an einem schweren Tau emporhangeln, um sicheren Schrittes die Steigung zu überwinden.
Schon beim Aufstieg fallen dem wachen Beobachter viele vom Fortschritt der Zeit vergessene Details auf. Hier wurde seit Langem nichts berührt und verändert.
Im ersten Stockwerk erwartet den Entdecker ein romantischer Raum: In einer der Straße zugewandten Ecke befindet sich ein offener Kamin. Ich stelle mir vor, wie sich Wachemänner an kalten Wintertagen des frühen 18. Jahrhunderts an dem prasselnden Feuer wärmten und heiße Getränke zu sich nahmen. Aber auch zu späterer Zeit wurden hier Feuer entfacht. Der Schlossherr Tido Graf zu Inn- und Knyphausen erzählte mir, wie er in Kindertagen hier verstecken spielte und manches Mal auch ein Feuer entzündete.
Die Stiege zum zweiten Stock ist noch steiler als die Erste. Nach ihr betritt man einen Raum, der noch heute das Uhrwerk aus vergangenen Tagen beherbergt, welches in den 80ger Jahren allerdings zur Ruhe kam. Der Zeiger steht seit bald drei Jahrzehnten auf 11.36 Uhr.
Ein Stuhl, der nicht all zu historisch ist, steht vor einem zum Schloss gerichteten Fenster und lädt ein, einen ruhigen Moment zu finden.Von hier aus blickt man in den Dachstuhl des Turms. Der Blick fällt auf die kunstvollen Arbeiten längst verstorbener Zimmermänner. Über eine Leiter erreicht man eine kleine Luke, die zum Glockenturm ins Freie führt.
Durch den Torturm des Lütetsburger Schlosses schritten schon namhafte Persönlichkeiten wie Theodor Fontane, Wilhelm Busch und diverse königliche Häupter. Er überstand einen großen Brand, erlebte den ersten und zweiten Weltkrieg und hielt im Letzteren der Bombardierung des Schlosses und seiner Parkanlage stand.Schön, dass es noch solche verborgenen Orte gibt und wer weiß, was sie in Zukunft noch für Geschichten erzählen werden.
Die Geschichte des Torturms
Als der ostfriesische Häuptling Lütet Manninga zwischen 1373-77 sein Stammhaus in Westel in der Leybucht aufgrund verheerender Sturmfluten verlor, ließ er den in Familienbesitz befindlichen „Uthoff“ zum Wasserschloss „Lützborch“ ausbauen. Zu dieser Zeit dachte noch niemand an einen Torturm. Später, im Jahr 1588, gelangte das Schloss durch die Heirat der Erbtochter Hyma Manninga an den Reichsfreiherrn Wilhelm von Inn- und Knyphausen aus dem Jeverland - die Vorburg des Schlosses stammt in ihrer Grundform aus dieser Zeit, der imposante Torturm allerdings, wurde erst später im Jahr 1740 von Carl-Philipp Freiherr zu Innhausen und Knyphausen, errichtet. Vor dem Bau des Turmes war der Zugang zum Schloss auf der Westseite der Anlage zu finden, welcher in heutiger Zeit nicht mehr genutzt wird.