Sonntag, 21. April 2019

Das Abenteuer Erlischt | Dokumentarfilm







Ein Abenteuer nährt sich von Romantik und Entdeckerlust. Ohne die Schönheit des Alten geht die Inspiration für Erkundung verloren.

Zum Film | Es ist jetzt bald ein Jahr her, das ich das erste Mal das beschauliche Quakenbrück im zauberhaften Artland zwischen Cloppenburg und Osnabrück besuchte. Das kleine Städtchen zog mich sofort in seinen wohltuenden Bann - kaum 20 Minuten nach meiner ersten Ankunft.
Einst gab es hier wohl mal eine Burg, die leider keine wirklich sichtbaren Spuren hinterließ. Und doch ist der Geist des Mittelalters in den kleinen Straßen und Gassen allgegenwärtig.
Manch ein Gebäude, nach Jahrhunderte vergangener Handwerksmanier aus groben Steinen gebaut, lässt die älteste Geschichte der Stadt noch erahnen. Auch die St.-Sylvester-Kirche gehört zu jenen Bauwerken, umrahmt von liebevoll instandgehaltenen Fachwerkhäusern. Manch eines steht beinahe so da, wie zu Zeiten seiner Erbauung. Andere warten noch auf einen Liebhaber mit der passenden Geldbörse und dem rechten Sinn für das Historische.
Eben dieser Sinn für das Historische ist es, der im Mittelpunkt dieses Films steht. Dabei geht es aber nicht wirklich um Restaurierung oder Erhaltung, sondern viel mehr um das Altern und Vergehen. Dabei könnte dieser Film bald zu einem Requiem werden. Eine Dokumentation, die warnend aufschreit: „Das Abenteuer erlischt!“


Während das Abenteuer der Moderne darin besteht, sich mit überteuerten Outdoorartikeln bestückt in organisierte Touren und Sportevents einzuklinken, mit einem technisch völlig überentwickelten Fahrrad wie ein geölter Blitz durch die Landschaft zu schießen oder sich in Kletterparks selbst zu überwinden, so war das Abenteuer der vorindustriellen Zeit eher unprofessionell und bescheiden. Es war das unvorhersehbare Erlebnis der Entdecker.

Als Kinder streunten wir durch verwilderte Hintergärten, erkundeten zugewucherte Bachläufe und sahen hinter jedem alten Kellerfenster, von Laub und Spinnweben verhangen, gebannt ins Dunkel einer unbekannten Welt. Eine Welt, die wir wenige Jahre später unbedacht zerstörten.

Altes muss weg und Neues muss gerade und sauber sein. So hat es uns die Werbung seit Jahrzehnten gepredigt. Der Trümmerschock des Krieges und die Wirtschaftswunder der 60ger Jahre zeigten den Menschen auf, was gut und zukunftsweisend ist. Kesselflicker und Scherenschleifer starben aus und ihnen folgte schnellen Schrittes eine Wegwerfgesellschaft mit Chemoreiniger und glattwandigen Zukunftsvisionen. Und während ich diese Worte schreibe, unterstreicht mir mein Computer-Schreibprogramm das Wort „“Kesselflicker in blau und warnt mich vor einem veralteten Ausdruck. Was ist geschehen, das wir den Sinn für bewährte Erfahrungen, Tradition und Wertigkeit verloren haben?

Als Dieter Wieland vor 30 Jahren in seinen unzähligen Filmen vor der Verwahrlosung der Baukultur und der Zerstörung von Schönem und Bewährten warnte, gab es hierzulande noch vieles zu entdecken und zu erforschen. Doch er wurde zu selten erhört. Die bauliche Schönheit, das vergessene kunstvolle Handwerk, die alten Keller und historische Hinterhöfe sind verschwunden. Wir haben sie zerstört. Das Abenteuer erlischt.

Und die Auswirkungen sind verheerend. Mit dem Abenteuer erlischt auch der Entdeckergeist, das unvorhersehbare Erlebnis und viele wertvolle Erfahrungen. Nun, in einer sauberen und glatten Stadt suchen sich Kinder und Jugendliche die Seelennahrung für ihre Neugierde in digitalen Welten. Was man planierte, zur Seite schob, abriss und in Wald und Flur bereinigte wurde digital ersetzt. Das Abenteuer, nach dem wir uns so sehr sehnen, ist bald nur noch in Computerspielen und animierten Filmen zu finden. Wundern wir uns, dass ein Smartphone der beste Freund unserer Kinder geworden ist? Wo wir doch täglich alte Bäume fällen und durch stachelige Koniferen ersetzen?


Das erste Abenteuer erlebte ich im Garten meiner Kindheit. Wir hatten damals einen schönen alten Garten, hinter dessen Pforte nach hinten hinaus eine große Obstwiese an ein undurchdringliches Dickicht grenzte, in dessen Gestrüpp ein fast verfallener dunkler Schuppen für Respekt und Entdeckerlust sorgte. Nun mit der Kamera durch die Stadt streunend, fand ich nur wenige Ecken, die zumindest ein wenig so spannend wie der Garten meiner Kindheit waren.

Gärten machen Arbeit. Gärten machen Dreck. Und so baggert man aufwendig die über Jahrzehnte gereifte Erde ab, versiegelt sie mit einer Kunststoffplane und legt einen Steingarten an. Stein, ja - das ist unübersehbar. Aber Garten kann man das nicht mehr nennen.

Zu meiner Freude fand ich mehrere Straßen, die bis heute von der Moderne verschont blieben. Zugegeben ist dieses Beispiel eher das Resultat von Pflegelosigkeit, aber mir ist das lieber, als die Straße gleich um die Ecke, wo weder Halm noch Käfer einen Platz zum Leben finden. Es gibt noch Menschen, die ihre Häuser und Gärten leben lassen. Hier hat die Natur Mitspracherecht und die Chemokeule Hausverbot. Hier darf man leben, erleben und entdecken.
Manch ein Nachbar mag da schimpfen und zetern. Aber erinnern wir uns an das schöne Beispiel von Dieter Wieland, wie Kinder ein Haus malen: Mit Baum, Strauch, Blumen und Wiese bis an die die Hausmauer. Hier darf man träumen. Hier wartet das Abenteuer.

Es gibt auch Menschen, die das Alte und Schöne bewahren, die seinen Wert erkennen und sich auf eine Reise begeben, die sich auf ein Abenteuer einlassen. Das Abenteuer der Erforschung und Erhaltung.

Eigentlich hatte ich geplant, nach kleinen Abenteuern in der Stadt zu suchen. Nach verweisten Häuserschluchten, dunklen Kellerlöchern und von Spinnenweben versiegelten Türen. Zwar fand sich die ein oder andere Niesche, aber selbst im verträumten Quakenbrück sind die vom Saubermann übersehenen Ecken rar. Und ich schaute ganz bewusst nur von der Straße aus. Man muss schon aufs Land hinaus, um wirklich etwas zu entdecken. So wie im vergangenen Sommer, als wir mit freundlicher Genehmigung, einen alten Mostkeller im Artland erkunden konnten. Hier ist vor über einem halben Jahrhundert die Zeit stehen geblieben. Als der Betrieb eingestellt wurde, schloss man die Türen und überließ alles hinter ihnen der Zeit. Ein Paradies für Entdecker.

Eine Überraschung bot sich mir allerdings in Form eines alten Kaugummiautomaten. Da stand ein Relikt der Abenteuerpausen meiner Kindheit. Übersehen, verlassen und doch gefüllt. Jetzt beim Schneiden des Films, frage ich mich, warum ich nicht versuchte ein Geldstück hineinzuwerfen.

Dann gab es noch etwas zu entdecken. Der Gasthof „Zur Linde“ scheint schon länger geschlossen. Ein Blick durch das Fenster zeigt die Einrichtung der 70ger Jahre und mir wurde erzählt, das die Küche hier früher so etwas wie der bessere Ersatz von Fastfood war. Gegrillte Hähnchen mit Pommes. Nun wächst Moos auf den Laternen die einst den Eingang beleuchteten und die Farbe an Fenstern und Türen löst sich in rissigen Flocken vom Holz. Auf allem ruht Staub und Dreck und sofort ist sie da: die Entdeckerlust! Ich werde bei nächster Gelegenheit herausfinden wem das Haus gehört, um vielleicht einen Blick hinter die schöne historische Fassade werfen zu können.

Dann ist da noch ein Heckenpfad bei der alten Sylvester-Kirche. Längst zugewachsen, aber noch mit einem Tor versehen, konnte man damals vom anliegenden Wohnhaus in zweiter Reihe direkt zur Kirche gelangen.


Es ist gut das es wieder mehr Menschen gibt, die sich dem Alten widmen. Es retten und vielleicht sogar neu aufgreifen. Doch wo sind die schmalen Pfade, an dessen Wegende das Abenteuer wartet? Wo ist die Patina, die Geschichten von Jahrhunderten erzählt? Wo bleibt die Romantik, die uns inspiriert etwas zu erleben, raus zu gehen und dem Entdeckerinstinkt zu folgen? Was ist aus den Erfahrungen geworden, die von Generation zu Generation weitergereicht wurden und nun als Mythologie, Märchen oder Humbug abgetan werden? Wann begann der Mensch vom Träumer zum Realisten zu verkommen? War es die chemisch gereinigte Geradlinigkeit, die uns zu funktionalen Saubermännern werden ließ?

Natürlich kann man auch in der Moderne Abenteuer erleben und es macht mir sogar Spaß, in riesigen Parkhäusern durch die Etagen zu streifen. Aber hier ist nichts Lebendiges verborgen. Der Beton erzählt keine Geschichten. Gebaut wird mit künstlichem Baustoff - nicht mit entdeckbaren Naturmaterialien. Beton hat keine Jahresringe und Industrieputz ist tot und kalt - ganz im Gegenteil zum Lehmputz.

Es gibt praktische keinen Abenteuerfilm ohne alte unberührte Orte und Gebäude. Sind es Höhlen oder Pyramiden, Schlösser oder Burgen. Jedes Abenteuer braucht eine Bühne und einen Ort, der etwas wertvolles beherbergt.

Und nun frage ich Euch: „Was kann jeder Einzelne tun, um die Abenteuer nicht erlöschen zu lassen? Welche Möglichkeiten gibt es, das Alte und Schöne zu bewahren? Was braucht man vielleicht nicht zu streichen oder zu überputzen? Die Holzplanken eines dreihundertjährigen Fußbodens erzählen die abenteuerlichsten Geschichten, alte Hauswände bewahren jede Spur der Zeit. Mit echtem Leinöl lassen sich unzählige Oberflächen konservieren. Muss wirklich alles abgerissen werden das alt ist, oder kann man es auch mit einfachen günstigen Mitteln erhalten, um das Abenteuer nicht erlöschen zu lassen?“

Ohne die kunstvollen Werke der Alten verkümmert unser Sinn für das Schöne. Ein Abenteuer nährt sich von Romantik und Entdeckerlust. Ohne die Schönheit des Alten geht die Inspiration für Erkundung verloren.

Was können wir tun, um das Abenteuer zu bewahren?

Sonntag, 3. März 2019

3. Teil - Im Schacht unter dem Lütetsburger Torturm


https://youtu.be/ZTBvxTHY0QU 

Zum Film | Wenn man vor einem Haufen Erde steht, die man bereits umgeworfen hat, ohne etwas darin zu entdecken, geht man nicht von einem Fund aus. Aber es versteckt sich doch so einiges im Erdreich des Torturmschachtes von Schloss Lütetsburg!
Nach bester Archäologen-Manier siebten wir das komplette Erdreich durch und fanden darin allerlei Artefakte der vergangenen Jahrhunderte. Und sogar die ein oder andere „Sensation“ verbarg sich in der feuchten Erde ...

Sonntag, 17. Februar 2019

2. Teil – Im Schacht unter dem Lütetsburger Torturm

https://youtu.be/r_FNCXG8BCw


Zum Film | Endlich war es soweit, beim derzeit realisierbaren Projekt auf Schloss Lütetsburg wurde wieder die Schaufel in die Hand genommen. Im Uhrenschacht unter dem Eingangstor der Vorburg könnten jahrhunderte alte Schätze im Schutt verborgen liegen - da der enge und tiefe Schacht mehr aufnehmen als preisgeben kann. Und genau so war es auch: Der Schacht war so schmal, das ein ausgewachsener Mann unter Umständen nicht einmal dessen Grund erreicht. Doch wir ließen uns nicht beirren und räumten ihn bis auf die Grundsteine leer. Haben wir etwas entdeckt?

Sonntag, 20. Januar 2019

Das Grausen im verborgenen Warnfried-Turm

https://photos.app.goo.gl/GyuXYQm3kroJxu519

Zum Film | Zur Fotogalerie | Viele kennen den Marienhafener „Störtebecker-Turm“, der als eines der ostfriesischen Wahrzeichen touristisch zu besichtigen ist. Weniger bekannt, aber noch viel spannender, ist der verborgene Warnfried-Turm in Osteel, der als Teil einer baugleichen Kirche nur zwei Kilometer entfernt neben seinem Schwestern-Turm steht.

Das früh mittelalterliche Bauwerk beeindruckt. Eines der vielen Rätsel des Turms ist das offene Gewölbe in schwindelerregender Höhe der zweiten Etage. Wie ein Schlund zieht es den Blick in die Tiefe des Turms, nachdem man den bedrückenden Aufstieg über einen außerordentlich langen Treppenschacht hinter sich gebracht hat. Eng, verwinkelt und düster ist der Aufstieg. Warum ist das Gewölbe offen und warum ist es nierenförmig, statt rund? Vielleicht diente die Öffnung der Schallübertragung der Glocken nach unten? Auch der Eingangsbereich, im Gegensatz zum Turm für jeden zugänglich, ist ungewöhnlich. Der in sich geschlossene Gewölberaum ist völlig untypisch für eine Kirche.

Grausige Legenden ragen sich um das Bauwerk, das bereits bei Baubeginn im 13. Jahrhundert vom Teufel selbst verhindert werden sollte. Auch im Turm sollen die Höllengeister ihr Unwesen getrieben, so die Legenden. Was dort genau passierte und welche Spuren es möglicherweise noch zu entdecken gibt, versuchte ich auf meiner abenteuerlichen Erkundung herauszufinden - an diesem fast unberührten Schauplatz ostfriesischer Geschichte.


Sonntag, 9. Dezember 2018

Das Geheimnis der Dolmen | Wer waren die Erbauer der Megalithkultur?



Zum Film | Im nordischen Raum längst vergessener Germanenstämme liegen gewaltige Steine verstreut. Lang vor den heidnischen Völkern sollen unsere Vorfahren niedrige Steinhäuser (mit Geschick und nicht erklärbaren Kräften) in die schroffe Landschaft gesetzt haben, ohne dass es bis heute eine belegbare Erklärung für sie gibt. Riesen sollen sie gewesen sein, die ihres Gleichen unter den Steinen begruben. Doch man fand keine Knochen. Kein Skelett. Keine Belege für ein Grab. Und doch nennt man sie Hünen- oder Großsteingräber.

Sie sind das Stonehenge Deutschlands. Eines der großen Rätsel mitteleuropäischer Frühgeschichte, die verzweifelte Forscher zu unbedachten Aussagen treiben - sie seien „Grenzsteine oder rituelle Bauten“. Immer dann, wenn ein Archäologe nicht weiter weiß, wird ihm unwiderlegbar klar: „Es handelt sich um ein Monument für göttliche Rituale.“

Die meisten Anlagen sollen zwischen 3500 und 2800 v. Chr. entstanden sein - in einem wahren Bauwahn, so vermuten Wissenschaftler. 900 solcher Anlagen sind heute noch in Deutschland bekannt und doch soll es nur noch ein Bruchteil dessen sein, was damals erbaut wurde. Viele Anlagen wurden später zu Kirchen und weitere fielen dem Industriezeitalter zum Opfer. Statt es zu erforschen und zu bewahren, verfremdete und zerstörte man eines der größten Rätsel der Jungsteinzeit.


Hier an der Straße der Megalithkultur, die sich 330 Kilometer durch das westliche Niedersachsen windet, finden sich allein zwischen Osnabrück und Oldenburg 70 solcher Dolmen oder auch Langgräber genannt. Diese Großdolmen stehen möglicherweise in direkter Verbindung zum englischen Stonehenge, von dem aktuell bekannt wurde, das die Anlage ursprünglich um ein Vielfaches größer war als gedacht. Die bekannte Ringanlage sticht wie ein Kirchturm aus einer Stadt, die verborgen unter meterdicken Erdmassen liegt.

Die Datierung solcher Anlagen scheint der Wissenschaft schwer zu fallen, da sich mehr und mehr herausstellt, dass man bei der zeitlichen Einschätzung solch früher Bauwerke völlig falsch lag. Sie sollen Tausende Jahre älter sein und zeigen oft Fertigungsspuren, die als „unmöglich“ eingestuft und dann möglichst schnell verdrängt werden.

Wenn die Hünengräber, wie sie im Volksmund genannt werden, der Überlieferung nach von Riesen erbaut wurden, diese sie aber nicht als Grabstätten nutzten, welchen Zweck erfüllten sie dann, wenn kein ausgewachsener Mensch unter den niedrigen Steindächern verweilen könnte? Welche Volksgruppe wurde damals als „Riesen“ bezeichnet und was hinterließen sie uns sonst noch? Fragen über Fragen, die mir beim Anblick dieser Steine keine Ruhe lassen. Wer waren die Erbauer der Megalithkultur und wann lebten sie wirklich? Welchen Zweck erfüllten Ihre gewaltigen Hinterlassenschaften, die wie die Pyramiden spielend Jahrtausende Überdauern?

Was ist das Geheimnis der Dolmen?

Sonntag, 2. Dezember 2018

Die gräflichen Mumien von Bargebur

https://photos.app.goo.gl/7AtcP94hUSSZZwJa9


Zum Film | Zur Fotogalerie | In der Kirche zu Bargebur in Norden / Ostfriesland, befindet sich die gräfliche Gruft der Knyphausens. Die Gruft ist bis heute unberührt und verbirgt eine Besonderheit, die nicht für jedermann betrachtenswert ist - denn die Särge sind leicht verfallen und stehen zu Teil offen.

Viele haben schon Filmaufnahmen und Fotos von Gruften und Särgen gesehen. Wenn die Kamera die mystische Atmosphäre einer Grabstätte zeigt, so fragt sich manch einer, wie es wohl im Innern der Särge aussieht - weil einen Einblick bekommt man so gut wie nie. Die Schönheit des Todes ist sicherlich umstritten - wichtig ist aber nur, mit welchem Respekt man den Verstorbenen begegnet und das man die Begegnung nicht erzwingt. Wenn sich hier in ruhiger Friedfertigkeit die Türen öffnen, so bin ich mir sicher, dass die Toten auch offen für diese Bilder sind. Betrachtet sie also mit Respekt und dieser Film schenkt Euch einen besonderen Einblick.
Ganz beachtlich finde, wie gut erhalten manch einer dieser Körper ist. Einer der Toten ist teilweise mumifiziert. Haut liegt über den Wangen und dem Kieferknochen und sogar das rechte Ohr ist größtenteils erhalten. Das wunderschöne Rüschenhemd aus Leinen ist kaum beschädigt und ziert die Gebeine mit würdevoller Schönheit ...

Sonntag, 18. November 2018

Dem NiIbelungen-Schatz auf der Spur

 

Zum Film | In der Edda wird beschrieben, dass der Drache Fafnir in einer Höhle der Gnitaheide haust. Forscher haben sich dazu Gedanken gemacht und kamen zu dem möglichen Schluss, dass nur die Knetterheide gemeint sein könnte, sollte es den Ort tatsächlich gegeben haben. Aber warum suchte dann dort noch nie jemand nach der Drachenhöhle? Ach ja - natürlich. Drachen gibt es ja nicht. Also fand ich heraus, dass hier nur die Höhlen im Süntelgebirge infrage kämen, und machte mich auf den Weg dorthin.



Seit über 10 Jahren interessiere ich mich nun schon für die Sage um den Schatz der Nibelungen. Die Geschichte des verfluchten Goldes, das dem Zwergenvolk der Nibelungen vom Gott Loki gestohlen wurde, um seine Kameraden, die durch seine Unachtsamkeit in die Gefangenschaft von Riesen gerieten, freizukaufen. So gelangte der Schatz in die Obhut des Riesen Fafnir, nachdem er seinen Vater des Goldes wegen erschlug und sich in einen Drachen verwandelte, um mit dem Schatz in einer Höhle in der Nähe der Gnitaheide auszuharren. Bis ihn der junge Recke Siegfried dort aufspürte, tötete und um das Nibelungengold brachte.

Die populäre Nibelungensaga jedoch ist unvollständig - glaubt man zumindest den Spuren, die seine Verfasser hinterließen. Denn auch wenn sich viele Forscher mit absoluter Überzeugung wünschen, dass die „Oberreidt-Fassung“ oder der „Codex 857“ die einzig ernstzunehmenden Quellen seien, so gibt es viel zu viele Anhaltspunkte, das die nordischen Verfasser hingegen sich viel eher an die geschichtliche Überlieferung hielten. Dieser mögliche Umstand wird auch von einem isländischen Runenstein untermauert, der wahrscheinlich wesentlich älter als die anerkannten mittelalterlichen Schriften ist.

Nimmt man die Edda also als ursprüngliche und vollständige Dichtung des Epos wahr, so stößt man unweigerlich auf wichtige Indizien, die von der modernen Forschung übersehen oder verschmäht werden. Der unbedingte Wunsch nach einer „deutschen Urquelle“ steht der Entdeckung des Schatzes also möglicherweise im Weg.

Aber das war bei Weitem noch nicht alles.

Um die vermeidlichen „Tatsachen“ der Geschichte zu prüfen, etwa ob es das Nibelungengold überhaupt gab oder noch gibt, müssen wir uns auf dessen Ursprung besinnen. Woher kam das Gold und wer brachte es ins Spiel? Beide Fragen sind schnell geklärt, aber der Umstand, dass das Gold von Zwergen stammt und das ein Drache es auf unbestimmte Zeit bewachte, veranlasst die Forschung diesen Teil der Geschichte als Humbug abzutun und ihn nicht zu beachten. Dabei wissen wir doch, dass es „Zwerge“ tatsächlich gab und noch gibt. Tatsächlich? Ja - allein in Deutschland leben heute 100.000 „Zwerge“ - bekannt als „kleinwüchsige Menschen“.

In den Archiven der Stadt Venedig fand man Dokumente, die belegen, dass die heute bekannten „kleinwüchsigen Menschen“ damals in Gruppen, vielleicht sogar als eigenständiges Volk, in den Bergen nach Gold und Edelsteinen schürften. Dies ist ein zeitgenössischer Beleg für die mögliche Existenz der Nibelungen, wie sie in der Edda beschrieben werden.

Und wie steht es mit den Drachen? Nun anscheinend ist man seit Jahrhunderten keinen Drachen mehr begegnet und möglicherweise fand man nie ihre Gebeine oder man hat sie anders klassifiziert. Fakt ist aber, dass der Drache in fast allen Kulturen der Welt seit Urzeiten so detailliert in seiner Biologie und Charakteristik beschrieben wird, dass man sich unweigerlich fragen muss, wie all diese Völker, die von seiner Existenz absolut überzeugt waren, auf ein und dasselbe Lebewesen kamen, ohne in direktem Kontakt miteinander zu stehen. Hat es einmal Drachen gegeben?

Wie dem auch sei. Ich denke, um wirklich wissenschaftlich auf die Suche nach dem Gold der Nibelungen zu gehen, muss man sich, frei von Glauben oder Unglauben, zunächst an die überlieferten Inhalte der Erzählung halten. Egal ob man an Drachen, Zwerge oder Tarnkappen glaubt - machen wir uns frei von eingefahrenen Vorstellungen und begeben wir uns neugierig und ohne Scham auf eine abenteuerliche Reise. Zunächst nur, um zu schauen, was dabei herumkommt, wenn man den Worten der Edda Glauben schenkt. Schließlich hat man auch den Turm zu Babel und wahrscheinlich sogar die Arche Noa gefunden.

Dieser Film ist die Eröffnung einer mehrteiligen Reihe auf der Suche nach dem Nibelungengold. Doch wer nun glaubt ich stürze mich gleich in die Untiefen des Rheins um das Gold zu heben, dem muss ich zunächst den Wind aus den Segeln nehmen. Zumindest für die kommenden Monate, bis wir die Geschichte genau überprüft und durchleuchtet haben. Denn bevor ich überhaupt an den Schatz und seinen möglichen Standort glaube, prüfe ich genau, was man bisher zu wissen glaubte. Und das wird in meinen Augen genau so spannend, wie möglicherweise eines Tages einen Schatz zu heben. Doch selbst wenn ich den Schatz fände, so wäre da noch immer der Fluch Andwaris, dem tatsächlichen Herrn über das Gold, dem König der Nibelungen, der dem gestohlenen Schatz hinterher rief:

Zum Verderben nahmst du mir den Schatz, zum Verderben den Ring, und wer je ihn besitzt, der soll darum erschlagen werden! Niemand soll Freude haben an dem Gold, bis an den Tag, da alles wieder mein ist.“

Machen wir uns also zunächst auf die Suche nach dem Drachen Fafnir. Erleben wir ein Abenteuer, das seinem Namen alle Ehre macht ...